Glühlampen
Oskar Mazerath, die Hauptfigur aus Günter Gass’ bekanntem Roman „Die Blechtrommel“, konnte von sich sagen: „Ich erblickte das Licht dieser Welt in Gestalt zweier Sechzig-Watt-Glühlampen.“
Das wird künftigen Generationen nicht mehr vergönnt sein.
Denn Herstellungs- und Vertriebsverbote sind vielerorts besiegelt.
Irgendwann wird wohl nur noch die überdimensionierte Glühlampe des Künstlers Ingo Maurer im New Yorker „Museum of Modern Art“ zu bestaunen sein.
Andererseits gibt es das geflügelte Wort von den Totgesagten, die länger leben. Vielleicht gehört die gute alte Glühlampe ja dazu.
Zur Geschichte der Glühlampe
Bevor die Glühlampe als künstliche Lichtquelle in ihrer heutigen Form existierte, haben zahlreiche Wissenschaftler mit unterschiedlichen Materialien und Technologien experimentiert.
Das erste bekannte Patent auf eine Glühlampe erhielt Frederick Moleyns 1841. Er brachte in einem luftleeren Glaskolben Kohlepulver zwischen Platindrähten zum Glühen.
Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in verschiedenen Ländern eine ganze Reihe weiterer Patente für Glühlampen angemeldet. Doch deren Brenndauer erreichte meist nicht einmal zehn Stunden.
Im Oktober 1879 führte Thomas A. Edison seine betriebstaugliche Glühlampe öffentlich vor, weshalb dieses Jahr als Erfindungsjahr der Glühlampe in die Geschichte eingegangen ist.
Die von Edison im darauf folgenden Jahr in den USA zum Patent angemeldete Glühlampe enthielt einen Kohleglühfaden aus verkohlten Bambusfasern und war die erste Glühlampe, die in Serie gefertigt wurde.
Die weitere Entwicklung führte über Glühfäden aus Osmium und Tantal bis hin zum Wolframglühdraht. Ein Mitarbeiter der „General Electric Company“ erfand schließlich im Jahr 1910 eine Methode, mechanisch stabile Wolframglühfäden herzustellen. Bereits ein Jahr später wurde im Unternehmen mit der kommerziellen Herstellung der bis heute üblichen Glühlampen mit Wolframfäden begonnen.
Aufbau und Funktionsweise der Glühlampe
Bestandteile der Glühlampe sind ein Befestigungssockel mit elektrischer Stromzuführung und ein Glaskolben, der den Glühfaden und dessen Halterung umgibt.
Zur elektrischen Lichtquelle wird die Glühlampe dank eines Wolframdrahtes, der durch die Stromzufuhr auf möglichst hohe Temperatur erhitzt wird und zu glühen beginnt.
Da der Glühfaden in normaler Luft aufgrund der hohen Betriebstemperaturen und des Sauerstoffgehalts sofort verbrennen würde, muss der Wolframdraht durch einen Glaskolben abgeschirmt werden.
Um den bis zu ein Meter langen Leuchtdraht im Glaskolben unterbringen zu können, wird er schraubenförmig gewickelt und zusätzlich einfach oder auch doppelt gewendelt.
Ein Argon-Stickstoff-Gemisch im Glaskolben der Glühlampe ermöglicht höhere Betriebtemperaturen, was eine bessere Lichtausbeute bewirkt und die Lebensdauer des Wolfram-Glühfadens verlängert.
Alternativ kann der Glaskolben mit dem Edelgas Krypton befüllt sein, das aufgrund seiner geringen Wärmeleitung die Wärmeverluste reduziert, womit die Lichtausbeute vergrößert wird.
Die typische Bauform der Glühlampe mit Schraubsockel wird korrekt als Allgebrauchslampe bezeichnet. Darüber hinaus gibt es Kleinlampen und verschiedene Sonderlampen beispielsweise für Fototechnik oder medizinische Bestrahlung. Reflektorlampen besitzen einen speziell geformten Glaskolben, der innen teilweise verspiegelt ist und das entstehende Licht reflektiert.
Erwähnenswert ist darüber hinaus die Halogen-Glühlampe als moderne Weiterentwicklung der klassischen Glühlampe.
Vor- und Nachteile der Glühlampe
Glühlampen sind hervorragend geeignet, wenn Licht gebündelt werden soll – beispielsweise für Scheinwerfer und Projektoren.
Ein weiterer Vorteil der Glühlampe besteht darin, dass ihre Helligkeit nur geringfügig schwankt.
Unübersehbarer Nachteil der Glühlampe ist ihre geringe Energieausbeute. Nur maximal fünf Prozent der aufgenommenen elektrischen Leistung werden als für das menschliche Auge sichtbares Licht abgestrahlt.
Der größte Teil der Energie wird als Wärmestrahlung abgegeben. Die Wattzahl einer Glühlampe gibt Auskunft über ihren Energieverbrauch.
Energieverbrauch und Lebensdauer
In Zeiten steigender Stromkosten achten Verbraucher stärker auf ihren Energieverbrauch. Durch Austausch aller konventionellen Glühlampen gegen Energiesparlampen, die zwischen 80 und 85 Prozent weniger Energie verbrauchen, lassen sich im Haushalt bis zu zehn Prozent Strom einsparen.
Innerhalb der Europäischen Union werden Haushaltlampen nach Energieeffizienzklassen unterschieden. Die Skala reicht von A (sehr effizient) bis G (weniger effizient).
Handelsübliche Glühlampen erreichen meist nur die Energieeffizienzklassen D bis G, weshalb nicht nur in Europa die schrittweise Durchsetzung von Herstellungs- und Vertriebsverboten für Glühlampen auf der Tagesordnung steht.
Im April 2009 trat die entsprechende Verordnung der Europäischen Union in Kraft. Bereits auf dem Markt befindliche Glühlampen dürfen jedoch weiterhin gehandelt werden.
Von den Verboten ausgenommen sind beispielsweise Speziallampen, die in medizinischen Geräten oder Kraftfahrzeugen Verwendung finden. Auch Reflektorlampen unterliegen keinen Beschränkungen, weil sie bislang ohne Alternative sind.
Die durchschnittliche Lebensdauer einer herkömmlichen Glühlampe beträgt etwa 1.000 Betriebsstunden.
Damit ist sie ihren Konkurrenten – den Energiesparlampen – weit unterlegen, die durchschnittlich zehnmal so viele Betriebsstunden und damit eine weitaus längere Lebensdauer erreichen.